Darmkrebs (Dickdarmkrebs, Kolorektales Karzinom)

Ursachen: Was sind die Ursachen von Darmkrebs?

Bei Darmkrebs handelt es sich um bösartige Geschwulste des Dickdarms, des Mastdarms und des Afters. Am häufigsten sind der Dickdarm (Kolonkarzinom) und der Mastdarm (Rektumkarzinom) betroffen. Diese Tumoren werden unter dem Begriff kolorektale Karzinome zusammengefasst. Dünndarmkrebs (Dünndarmkarzinom) ist im Verhältnis so selten, dass sich der Begriff Darmkrebs fast immer auf kolorektale Karzinome bezieht. In Deutschland erkranken pro Jahr mehr als 62.000 Menschen an Darmkrebs. Damit ist Darmkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung.

Grundsätzlich bedeutet Krebs, dass sich Zellen eines Organs oder Gewebes unkontrolliert teilen, weil sich die Gene, die für die Kontrolle des Zellwachstums verantwortlich sind, verändert haben. Für diese Entwicklung müssen mehrere Faktoren zusammenwirken: Die wichtigste Ursache ist eine erbliche Veranlagung. Sind Verwandte ersten Grades, also Eltern, Geschwister oder Kinder, bereits an Darmkrebs erkrankt, ist das persönliche Risiko, ebenfalls ein kolorektales Karzinom zu entwickeln, deutlich erhöht. Weitere Krankheiten, etwa chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa, begünstigen die Entstehung von kolorektalen Karzinomen. Auch nach Krebserkrankungen von Brust, Eierstöcken oder Gebärmutter steigt das Risiko für Darmkrebs.

Eine ungesunde Lebensweise mit wenig Bewegung und falscher Ernährung erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken. Besonders gefährdet sind Menschen, die rauchen, viel Alkohol trinken, viel Fett und wenig Ballaststoffe zu sich nehmen und dazu noch Übergewicht (Adipositas) haben. Bislang ist noch unklar, ob weitere Einflüsse wie Nikotin, radioaktive Strahlung, UV-Strahlung, einige Schimmelpilze auf Lebensmitteln, Virusinfektionen oder Chemikalien die Entstehung von Darmkrebs fördern. Bei äußeren Faktoren ist es zudem entscheidend, über welchen Zeitraum der Körper diesen Faktoren ausgesetzt ist. Daher tritt Darmkrebs im fortgeschrittenen Alter zunehmend auf.


Ein besonders hohes Darmkrebs-Risiko haben Menschen, die an einer seltenen, erblich bedingten Erkrankung leiden, der familiären adenomatösen Polyposis (FAP). Personen mit FAP weisen viele adenomatöse Polypen im Darm auf, aus denen sich im weiteren Verlauf Darmkrebs entwickeln kann.



Beschwerden: Wie äußert sich Darmkrebs?

Die ersten Symptome, die auf Darmkrebs hinweisen, können auch Anzeichen harmloser Erkrankungen sein, beispielsweise Hämorrhoiden oder Verdauungsprobleme, und werden daher von den Betroffenen häufig anfangs nicht wahrgenommen. Blut im Stuhl, das die Farbe des Stuhls rot oder schwarz färbt, ist immer ein ernstzunehmendes Zeichen, das unbedingt ärztlich abgeklärt werden muss. Den Arzt sollte man auch aufsuchen, wenn sich die Stuhlgewohnheiten langsam, aber stetig verändern. Schmerzen bereitet Darmkrebs dagegen erst in einem stark fortgeschrittenen Stadium. Da kolorektale Karzinome lange keine oder nur geringe Symptome verursachen, sind regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen umso wichtiger.


Diagnose: Wie wird Darmkrebs diagnostiziert?

Beim Verdacht auf Darmkrebs erfolgt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Beschwerden, die Lebensgewohnheiten und die Vorgeschichte (Anamnese). Daran schließen sich verschiedene Untersuchungen an:

  • Der Arzt tastet den Mastdarm mit dem Finger aus (digitale rektale Untersuchung).
  • Mit kleinen Testbriefchen lässt sich verstecktes Blut (okkultes Blut) im Stuhl nachweisen, das fürs Auge nicht sichtbar ist.
  • Ein Tumor im Darm kann häufig bei einer Röntgen-Untersuchung mit Kontrastmittel (Kolon-Kontrasteinlauf) sichtbar gemacht werden.


Die wichtigste Methode, um Darmkrebs nachzuweisen, ist die Darmspiegelung (Koloskopie). Bei dieser Untersuchungsmethode führt der Arzt einen  Schlauch mit einer winzigen Kamera in den Dickdarm ein. Auf diese Weise kann er kleinste Veränderungen im Darm feststellen. Erhärtet sich der Verdacht auf ein kolorektales Karzinom, entnimmt der Arzt direkt eine kleine Gewebeprobe der Geschwulst (Biopsie). Der Pathologe untersucht die Gewebeprobe dann auf Krebszellen (histologische Abklärung). Nur mit einer Darmspiegelung lässt sich Darmkrebs eindeutig ausschließen beziehungsweise nachweisen. Alle anderen Methoden liefern lediglich Hinweise.

Wenn die Diagnose Darmkrebs steht, folgen weitere Untersuchungen, um die genaue Lage und Ausbreitung des Tumors sowie eventuelle Metastasen zu bestimmen. Dazu gehören eine Ultraschall-Untersuchung von innen (Endosonografie), Computertomografie (CT), Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), Röntgen-Untersuchungen von Lunge, Bauchraum und Leber und eventuell eine Spiegelung der Blase. Schließlich wird noch der Tumormarker CEA (carcino-embryonales Antigen) im Blut ermittelt. Tumormarker sind Substanzen, die im Körper neu oder in größerem Maße vorkommen, wenn ein bestimmter Tumor vorhanden ist.


Behandlung: Wie kann Darmkrebs behandelt werden?

Die Behandlung von Darmkrebs setzt sich aus drei Komponenten zusammen: chirurgische Entfernung (Operation), Chemotherapie und Strahlentherapie. Meistens werden zwei, in vielen Fällen alle drei Methoden miteinander kombiniert. Variabel ist dabei auch die Reihenfolge. Dabei ist die Reihenfolge variabel. Ist ein Tumor bereits relativ groß, wird er häufig zunächst mit Chemotherapie oder/und Bestrahlung behandelt, um ihn für eine bevorstehende Operation zu verkleinern (neoadjuvante Therapie). Nach der Operation kommen zumeist Chemotherapie oder Chemo- und Strahlentherapie zum Einsatz, um die restlichen Krebszellen zu zerstören oder das Rückfallrisiko zu verkleinern (adjuvante Therapie). Eventuell ist eine begleitende Schmerztherapie sinnvoll.

Operation
Die chirurgische Entfernung des kolorektalen Karzinoms ist die wichtigste Komponente der Therapie. Dabei werden nach Möglichkeit der vom Tumor betroffene Darmabschnitt sowie die Lymphknoten des jeweiligen Lymphabflussgebiets entfernt (Lymphadenektomie), da sich die Krebszellen über die Lymphbahnen ausbreiten. Zur Sicherheit entnimmt der Arzt zusätzlich einen Teil des gesunden Gewebes, das den Tumor umgibt. In der Regel ist  zunächst ein künstlicher Darmausgang erforderlich, der später oftmals zurückverlegt werden kann. Während der Operation lassen sich, sofern möglich, auch Tochtergeschwulste (Metastasen), beseitigen.


Chemotherapie
Mittlerweile gibt es eine Reihe von Wirkstoffen, die das Zellwachstum und die Zellteilung auf verschiedene Art und Weise hemmen (Zytostatika). Einige Zytostatika werden zum Beispiel als falsche Bausteine in die Erbsubstanz (DNS) eingebaut und verhindern so die Vermehrung der Darmkrebszellen. Andere Zytostatika hemmen die Verdopplung der DNA vor der Zellteilung oder führen den programmierten Zelltod (Apoptose) herbei. Die Wirkstoffe werden bei Darmkrebs in der Regel miteinander kombiniert und über einen begrenzten Zeitraum eingesetzt. Leider ist ihre Wirkungsweise nicht auf die Krebszellen beschränkt, sodass es zu starken Nebenwirkungen kommt. Dazu können zum Beispiel Haarausfall, Durchfall (Diarrhö), Erbrechen und schmerzhafte Hautrötungen an Händen und Füßen gehören. Ein Teil der Nebenwirkungen lässt sich durch die Gabe weiterer Medikamente unterdrücken oder zumindest abmildern.

Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie (Bestrahlung, Radiotherapie) wird das kolorektale Karzinom mit sehr energiereichen Strahlen behandelt. Die Strahlentherapie kommt entweder vor einer Operation zum Einsatz, um den Tumor zu verkleinern, oder im Anschluss, um das Rückfallrisiko zu verringern – üblicherweise  in Verbindung mit einer Chemotherapie. Außerdem kann die Strahlentherapie im fortgeschrittenen Stadium dazu beitragen, Beschwerden zu lindern. Die Bestrahlung wird nur als Ergänzung zur Chemotherapie angewendet, da sich eine medikamentöse Behandlung bei Darmkrebs als wirksamer erwiesen hat.


Neue Therapieansätze
Heute stehen neuartige Wirkstoffe zur Verfügung, die eine sogenannte zielgerichtete Krebstherapie ("targeted therapy") ermöglichen. Anders als eine Chemotherapie kann die zielgerichtete Krebstherapie bestimmte Tumorzellen gezielt angreifen, so dass gesunde Zellen geschont werden. In der Darmkrebstherapie kommen die Wirkstoffe Bevacizumab, Cetuximab oder Panitumumab zum Einsatz. Diese Substanzen hemmen das Zellwachstum der Tumorzellen beziehungsweise deren Blutversorgung. Jedoch eignen sich zielgerichtete Krebstherapien nur bei Personen, deren Tumorzellen spezifische Merkmale aufweisen, etwa einen bestimmten Rezeptor auf der Zelloberfläche. Daher muss der Arzt im Vorfeld der Therapie zunächst untersuchen, ob der Betroffene für diese Behandlungsmethode infrage kommt. Häufig erfolgt dann eine Kombinationstherapie aus Chemotherapie und zielgerichteter Krebstherapie.


Prognose: Wie ist die Prognose von Darmkrebs?


Die Problematik bei Darmkrebs besteht darin, dass diese Krebsform im Anfangsstadium kaum Beschwerden verursacht. Grundsätzlich sinken die Heilungschancen, je später der Darmkrebs entdeckt wird. Bei einer Diagnose im frühen Stadium sind die Chancen auf Heilung jedoch sehr gut. Je nach Lage des Tumors kann es dennoch zu dauerhaften Beeinträchtigungen kommen. Befand sich der Tumor zu dicht am Schließmuskel, lässt sich zum Beispiel ein dauerhafter künstlicher Darmausgang nicht vermeiden.


Vorbeugung: Wie kann man Darmkrebs vorbeugen?


Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung trägt dazu bei, das Darmkrebs-Risiko zu verringern. Das heißt: Weniger Fett und rotes Fleisch essen, dafür mehr Gemüse und Salat. Zudem ist es ratsam, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten. Die wichtigste Methode, um Darmkrebs vorzubeugen beziehungsweise frühzeitig zu erkennen, ist die Vorsorge. Ab einem Alter von 50 Jahren tragen die gesetzlichen Krankenkassen einmal im Jahr die Kosten für den Test auf okkultes Blut im Stuhl. Mit 55 Jahren besteht Anspruch auf eine Darmspiegelung (Koloskopie) zur Darmkrebs-Vorsorge, die nach frühestens zehn Jahren wiederholt werden kann. Entdeckt der Arzt bei der Darmspiegelung gutartige Darmpolypen (Vorstufe von Darmkrebs), entfernt er diese mit einer speziellen Schlinge oder Zange. Bei einer erblichen Vorbelastung zum kolorektalen Karzinom ist es ratsam, bereits vor dem 40. Lebensjahr mit den Vorsorge-Untersuchungen zu beginnen.



Lesen Sie mehr zum Thema:

Krebsvorsorge (Krebs-Früherkennung)
Stuhl und Stuhl-Untersuchung
Chemotherapie

 

 

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Weitere Informationen zu Darmkrebs
Deutsche Krebsgesellschaft e.V.: www.krebsgesellschaft.de


Autor: Nicole Lücke, Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Juli 2008
Letzte Aktualisierung: Dezember 2014
Aktualisiert durch: Simon Korn, Biologe
Quellen
:
Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Dickdarmkrebs: Diagnose, Therapie, Nachsorge. www.krebsinformationsdienst.de (Abruf: 12/2014)

Deutsche Krebsgesellschaft: Therapie beim fortgeschrittenen Darmkrebs. www.krebsgesellschaft.de (Abruf: 12/2014)

Deutsche Krebshilfe: Darmkrebs. Aus der Reihe “Die blauen Ratgeber“ (Stand 03/2013)
Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) et al.:  S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021-007 (Stand: 06/2013)
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2009/2010. Häufigkeiten und Trends. 9. Auflage. Robert Koch-Institut, Berlin 2013

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2012   |    Seite drucken seite drucken    empfehlen seite versenden 
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