Epilepsie (Fallsucht)

Ursachen: Was sind die Ursachen von Epilepsie?

Epilepsie ("Fallsucht") wird durch Störungen im Gehirn verursacht, die akute Krampfanfälle (epileptische Anfälle) auslösen. Bei Epilepsie treten diese Anfälle immer wieder auf. Sie ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten des Zentralen Nervensystems (ZNS). Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung ist betroffen. Es lassen sich zwei Ursachen der Epilepsie unterscheiden:

Idiopathische oder genetische Epilepsie
Die angeborene erhöhte Neigung zu Krampfanfällen wird als idiopathische ("von sich aus entstandene") oder genetische (vererbte) Epilepsie bezeichnet. Welche Faktoren genau für die epileptischen Anfälle verantwortlich sind, ist nicht bekannt.

Symptomatische oder strukturelle Epilepsie
Die symptomatische oder strukturelle Epilepsie tritt auf, wenn das Hirngewebe geschädigt ist. Eine Reihe von Ursachen kommt dafür infrage. Neben Schädigungen und Narben durch Unfälle, sind dies vor allem Krankheiten wie Hirnentzündungen und -blutungen, Durchblutungsstörungen, häufig ausgelöst durch Schlaganfälle (Apoplex), Fehlbildungen und Stoffwechselstörungen des Gehirns sowie Tumoren. Auch eine nicht ausreichende Sauerstoffzufuhr während der Geburt kann dem Gehirn dauerhaft schaden.

Man nimmt an, dass bei der Entstehung von Epilepsie sowohl erblich bedingte Faktoren als auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.


Beschwerden: Wie äußert sich Epilepsie?

Typische Anzeichen für Epilepsie sind die Krampfanfälle, die plötzlich und ohne erkennbare Ursache auftreten. Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns betroffen sind, variieren die jeweiligen Symptome während des Anfalls. Außerdem sind die Beschwerden individuell unterschiedlich stark ausgeprägt.

Es gibt zwei Formen von epileptischen Anfällen:

  • Fokale Anfälle gehen von einem bestimmten, räumlich eingegrenzten Bereich des Gehirns aus, beispielsweise bei einem Hirntumor.
  • Generalisierte Anfälle finden dagegen im gesamten Gehirn statt und lassen sich nicht in einer bestimmten Region lokalisieren. 

 

Es ist möglich, dass sich ein fokaler Anfall auf das gesamte Gehirn ausbreitet und zu einem generalisierten epileptischen Anfall wird.


Kennzeichnend für epileptische Anfälle sind Bewusstseinsstörungen mit akuten Ausfallerscheinungen von Sprache, Motorik, Sensorik und Sensibilität. Die Anfälle dauern wenige Sekunden bis einige Minuten und unterscheiden sich in ihrer Schwere deutlich. Während es bei leichten epileptischen Anfällen bei hektischen Bewegungen bleibt, führen schwere Anfälle zu starken, unkontrollierten Zuckungen, Ausfällen des Bewusstseins und Stürzen. Häufig kündigt sich ein epileptischer Anfall durch die sogenannte „Aura“ an. Dabei kommt es zu Wahrnehmungsstörungen, die sich zunächst nicht einordnen lassen.


Diagnose: Wie wird Epilepsie diagnostiziert?


Damit der Verdacht auf Epilepsie besteht, muss mindestens ein epileptischer Anfall aufgetreten sein. Beim Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) liegt besonderes Augenmerk auf der möglichst genauen Beschreibung der epileptischen Anfälle. Hilfreich ist dabei die Dokumentation von Augenzeugenberichten. Auch frühere Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Kopfs, können Hinweise für die Diagnose liefern.

Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen des Gehirns. Die Elektroenzephalografie (EEG) erfasst die Hirnrindenaktivität. Dabei werden die Hirnströme mit Elektronen gemessen. Bestimmte überhöhte Werte weisen auf Epilepsie oder die Neigung zu Epilepsie hin. Bei der simultanen Video-Doppelbildaufzeichnung (Video-SDA) wird das Elektroenzephalogramm durch eine Videoaufzeichnung ergänzt. Sie wird in einem speziellen Labor durchgeführt. Die Auswertung beider Aufzeichnung lässt genauere Rückschlüsse auf die Vorgänge im Gehirn zu. Dreidimensionale Abbilder des Gehirns erzeugt die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT). MRT-Bilder erlauben es, strukturelle Veränderungen des Gehirns zu erfassen. Auch Hirntumoren lassen sich so erkennen. Die Computertomografie (CT) liefert ebenfalls Schnittbilder des Gehirns.


Behandlung: Wie kann Epilepsie behandelt werden?

Grundlage der Epilepsie-Behandlung sind Medikamente, die epileptische Anfälle verhindern. Dafür eignen sich Antikonvulsiva, auch als Antiepileptika bezeichnet. Diese Wirkstoffgruppe vermindert die Erregbarkeit im Zentralen Nervensystem und beugt so Krampfanfällen vor. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind zum Beispiel Carbamazepin und Valproinsäure. Bei der symptomatischen oder strukturellen Epilepsie empfiehlt sich die Behandlung der verursachenden Erkrankung.

Schlägt die medikamentöse Therapie einer schweren Epilepsie nicht oder nicht ausreichend an, ist ein operativer Eingriff möglich. Meistens wird die Hirnregion, die epileptische Anfälle auslöst, chirurgisch entfernt. Auch die Trennung von Hirnbalken kommt als operatives Verfahren infrage. Der dadurch schwierigere Austausch zwischen den beiden Hirnhälften erschwert die Ausbreitung eines epileptischen Anfalls. Bei operativen Verfahren ist eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung nötig, da es während und nach der Operation zu Blutungen oder Entzündungen im Hirn kommen kann. Insbesondere die Trennung von Hirnbalken verursacht dauerhaft Störungen in der Motorik und vermindert den inneren Antrieb. Die chirurgische Behandlung von Epilepsie eignet sich nur bei fokalen Anfällen, bei denen ein begrenzter, lokalisierbarer Bereich die Anfälle auslöst.

Bei der Epilepsie kann zudem eine Vagus-Nerv-Stimulation durchgeführt werden. Das bedeutet, dass ein Stimulationsgerät entweder direkt im Gehirn oder von außen Impulse auf einen bestimmten Nerven (Nervus vagus) ausübt. Wird der Nerv regelmäßig erregt, können epileptische Anfälle vermieden werden.


Prognose: Wie ist die Prognose von Epilepsie?

Etwa drei Viertel aller epileptischen Anfälle lassen sich durch Medikamente (Antikonvulsiva) verhindern. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme dieser Medikamente. Nur in schweren Fällen ist ein neurochirurgischer Eingriff ratsam. In der Regel bekommt man eine behandelte Epilepsie jedoch gut in den Griff.


Vorbeugung: Wie kann man Epilepsie vorbeugen?

Epilepsie kann man im Grunde nicht vorbeugen. Bei einer diagnostizierten Epilepsie ist es jedoch sinnvoll, den eigenen Lebensstil anzupassen. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus – auch am Wochenende – und gemäßigter Alkoholkonsum wirken zumindest vorbeugend gegen epileptische Anfälle. Bei häufigen Anfällen empfiehlt sich das Führen eines Anfallkalenders, um die Situationen herauszufiltern, in denen bevorzugt Krampfanfälle auftreten.


 

 

Weitere Informationen

 

Buchtipps

 

 

 

Weitere Informationen zu Epilepsie
Landesverband für Epilepsie Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen e.V.: www.epilepsie-online.de


Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de  
Datum: Juni 2008
Letzte Aktualisierung: Mai 2013
Durch: Christina Trappe, B.A.
Quellen:
Klingelhöfer, J. et al.: Klinikleitfaden Neurologie, Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2003
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/041 (Stand: 09/2012)
Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie: Diagnostische Prinzipien bei Epilepsien im Kindesalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 022/007 (Stand: 01/2008)
Deutsche Gesellschaft für Epileptologie: www.izepilepsie.de (Abruf: 05/2013)

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2012   |    Seite drucken seite drucken    empfehlen seite versenden 
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