Es ist möglich, dass sich ein fokaler Anfall auf das gesamte Gehirn ausbreitet und zu einem generalisierten epileptischen Anfall wird.
Kennzeichnend für epileptische Anfälle sind Bewusstseinsstörungen mit akuten Ausfallerscheinungen von Sprache, Motorik, Sensorik und Sensibilität. Die Anfälle dauern wenige Sekunden bis einige Minuten und unterscheiden sich in ihrer Schwere deutlich. Während es bei leichten epileptischen Anfällen bei hektischen Bewegungen bleibt, führen schwere Anfälle zu starken, unkontrollierten Zuckungen, Ausfällen des Bewusstseins und Stürzen. Häufig kündigt sich ein epileptischer Anfall durch die sogenannte „Aura“ an. Dabei kommt es zu Wahrnehmungsstörungen, die sich zunächst nicht einordnen lassen.
Diagnose: Wie wird Epilepsie diagnostiziert?
Damit der Verdacht auf Epilepsie besteht, muss mindestens ein epileptischer Anfall aufgetreten sein. Beim Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) liegt besonderes Augenmerk auf der möglichst genauen Beschreibung der epileptischen Anfälle. Hilfreich ist dabei die Dokumentation von Augenzeugenberichten. Auch frühere Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Kopfs, können Hinweise für die Diagnose liefern.
Anschließend folgen verschiedene Untersuchungen des Gehirns. Die Elektroenzephalografie (EEG) erfasst die Hirnrindenaktivität. Dabei werden die Hirnströme mit Elektronen gemessen. Bestimmte überhöhte Werte weisen auf Epilepsie oder die Neigung zu Epilepsie hin. Bei der simultanen Video-Doppelbildaufzeichnung (Video-SDA) wird das Elektroenzephalogramm durch eine Videoaufzeichnung ergänzt. Sie wird in einem speziellen Labor durchgeführt. Die Auswertung beider Aufzeichnung lässt genauere Rückschlüsse auf die Vorgänge im Gehirn zu. Dreidimensionale Abbilder des Gehirns erzeugt die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT). MRT-Bilder erlauben es, strukturelle Veränderungen des Gehirns zu erfassen. Auch Hirntumoren lassen sich so erkennen. Die Computertomografie (CT) liefert ebenfalls Schnittbilder des Gehirns.
Behandlung: Wie kann Epilepsie behandelt werden?
Grundlage der Epilepsie-Behandlung sind Medikamente, die epileptische Anfälle verhindern. Dafür eignen sich Antikonvulsiva, auch als Antiepileptika bezeichnet. Diese Wirkstoffgruppe vermindert die Erregbarkeit im Zentralen Nervensystem und beugt so Krampfanfällen vor. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind zum Beispiel Carbamazepin und Valproinsäure. Bei der symptomatischen oder strukturellen Epilepsie empfiehlt sich die Behandlung der verursachenden Erkrankung.
Schlägt die medikamentöse Therapie einer schweren Epilepsie nicht oder nicht ausreichend an, ist ein operativer Eingriff möglich. Meistens wird die Hirnregion, die epileptische Anfälle auslöst, chirurgisch entfernt. Auch die Trennung von Hirnbalken kommt als operatives Verfahren infrage. Der dadurch schwierigere Austausch zwischen den beiden Hirnhälften erschwert die Ausbreitung eines epileptischen Anfalls. Bei operativen Verfahren ist eine genaue Nutzen-Risiko-Abwägung nötig, da es während und nach der Operation zu Blutungen oder Entzündungen im Hirn kommen kann. Insbesondere die Trennung von Hirnbalken verursacht dauerhaft Störungen in der Motorik und vermindert den inneren Antrieb. Die chirurgische Behandlung von Epilepsie eignet sich nur bei fokalen Anfällen, bei denen ein begrenzter, lokalisierbarer Bereich die Anfälle auslöst.
Bei der Epilepsie kann zudem eine Vagus-Nerv-Stimulation durchgeführt werden. Das bedeutet, dass ein Stimulationsgerät entweder direkt im Gehirn oder von außen Impulse auf einen bestimmten Nerven (Nervus vagus) ausübt. Wird der Nerv regelmäßig erregt, können epileptische Anfälle vermieden werden.
Prognose: Wie ist die Prognose von Epilepsie?
Etwa drei Viertel aller epileptischen Anfälle lassen sich durch Medikamente (Antikonvulsiva) verhindern. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme dieser Medikamente. Nur in schweren Fällen ist ein neurochirurgischer Eingriff ratsam. In der Regel bekommt man eine behandelte Epilepsie jedoch gut in den Griff.
Vorbeugung: Wie kann man Epilepsie vorbeugen?
Epilepsie kann man im Grunde nicht vorbeugen. Bei einer diagnostizierten Epilepsie ist es jedoch sinnvoll, den eigenen Lebensstil anzupassen. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus – auch am Wochenende – und gemäßigter Alkoholkonsum wirken zumindest vorbeugend gegen epileptische Anfälle. Bei häufigen Anfällen empfiehlt sich das Führen eines Anfallkalenders, um die Situationen herauszufiltern, in denen bevorzugt Krampfanfälle auftreten.
Weitere Informationen
Buchtipps
Weitere Informationen zu Epilepsie
Landesverband für Epilepsie Selbsthilfe Nordrhein-Westfalen e.V.: www.epilepsie-online.de
Autor: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Juni 2008
Letzte Aktualisierung: Mai 2013
Durch: Christina Trappe, B.A.
Quellen:
Klingelhöfer, J. et al.: Klinikleitfaden Neurologie, Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2003
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Erster epileptischer Anfall und Epilepsien im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/041 (Stand: 09/2012)
Leitlinien der Gesellschaft für Neuropädiatrie: Diagnostische Prinzipien bei Epilepsien im Kindesalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 022/007 (Stand: 01/2008)
Deutsche Gesellschaft für Epileptologie: www.izepilepsie.de (Abruf: 05/2013)
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