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Fazialisparese

Ursachen: Was sind die Ursachen für eine Fazialisparese?

Eine Fazialisparese ist eine meist einseitige Gesichtslähmung. Der Gesichtsnerv (Nervus facialis, Fazialisnerv) ist für die Bewegung der mimischen Muskulatur verantwortlich. Ist dieser Nerv geschädigt, erschlafft die Muskulatur. Liegt der Ort der Schädigung im Gehirn, spricht der Mediziner von einer zentralen Fazialisparese; ist der Nerv direkt geschädigt, liegt eine periphere Fazialisparese vor.

In den meisten Fällen ist die Ursache für eine Fazialisparese unbekannt (idiopathisch). Die Gesichtslähmung kann aber auch als Symptom einer anderen Grunderkrankung auftreten. So können Infektionen mit bestimmten Herpes-Viren (Herpes zoster) oder Bakterien (Borreliose) eine Fazialisparese zur Folge haben. Auch ein Schlaganfall (Apoplex) oder ein Hirntumor können die Gesichtslähmung verursachen.

Sehr selten ist die angeborene Fazialisparese. Ursache dieser ein- oder beidseitig auftretenden Form ist ein Fehler im Erbgut.


Beschwerden: Wie äußert sich eine Fazialisparese?

Typisch für eine periphere Fazialisparese ist, dass eine Gesichtshälfte erschlafft. Die mimische Bewegungsfähigkeit geht vollständig verloren. Das Auge der betroffenen Seite kann nicht mehr geschlossen werden, damit verbunden ist meist ein mehr oder weniger starker Tränenfluss. Der Mundwinkel hängt herab und Mimikfalten sind vollständig verschwunden. Durch die gelähmte Muskulatur ist es unmöglich, die Stirn zu runzeln, die Nase zu rümpfen oder den Mund zu spitzen.

Je nachdem, wie stark der Fazialisnerv geschädigt ist, können auch Geschmacksstörungen und Geräuschüberempfindlichkeit auftreten. In manchen Fällen der Fazialisparese ist die Tränen- und Speichelsekretion herabgesetzt.

Im Unterschied zur peripheren Fazialisparese, ist bei der zentralen Form hauptsächlich die Mundpartie betroffen. Fähigkeiten, wie die Stirn zu runzeln und das Auge zu schließen, bleiben dann meist erhalten.


Diagnose: Wie wird eine Fazialisparese diagnostiziert?

Ein Arzt erkennt eine Fazialisparese an ihrem typischen Erscheinungsbild. Er untersucht in einem solchen Fall, wie stark die Gesichtsmotorik von der Lähmung betroffen ist. Dazu fordert er den Betroffenen auf, die Stirn zu runzeln, die Augen zu schließen, zu pfeifen oder die Zähne zu zeigen. Handelt es sich tatsächlich um eine Fazialisparese, gelingt dies nicht. Außerdem untersucht der Arzt, ob weitere neurologische Störungen bestehen.

Mithilfe eines so genannten Schirmer-Tests lässt sich die Tränensekretion messen, die bei der Fazialisparese gestört sein kann. Dazu wird ein Filterpapierstreifen in das Unterlid eingelegt. Der Arzt kann anschließend am Grad der Befeuchtung ablesen, ob die Produktion der Tränenflüssigkeit gestört ist. Um den Geschmackssinn zu prüfen, werden Lösungen unterschiedlicher Geschmacksqualitäten (süß, salzig, sauer, bitter) auf die Zunge aufgetupft.

Um die Ursache der Fazialisparese abzuklären, ist auch die Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren Arzt empfehlenswert. Im Fall einer Herpes-Virus Infektion kann dieser mittels Ohrspiegelung die typischen Herpesbläschen im Gehörgang feststellen.

Sind neben den Lähmungserscheinungen zusätzliche Symptome wie Doppelbilder, Ohrgeräusche oder Fieber bei der Fazialisparese vorhanden, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Bildgebende Verfahren, wie die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT), ermöglichen dem Arzt, einen Schlaganfall (Apoplex) oder Hirntumoren als Ursachen der Fazialisparese auszuschließen.

Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion mit Borrelien als Ursache der Fazialisparese, ist es notwendig, Blut beziehungsweise Rückenmarksflüssigkeit im Labor zu untersuchen. Im Fall einer Borreliose befinden sich Antikörper gegen die Bakterien in diesen Körperflüssigkeiten.


Behandlung: Wie kann eine Fazialisparese behandelt werden?

Die Behandlung der Fazialisparese richtet sich nach der Krankheitsursache. Handelt es sich um die idiopathische Form der Gesichtslähmung, ist nur eine symptomatische Therapie möglich. Hauptaugenmerk ist auf den Schutz des Auges gerichtet. Künstliche Tränenflüssigkeit sowie Augensalben schützen das Auge vor dem Austrocknen. Um die Funktion des Gesichtsnervs wieder herzustellen, sind entzündungshemmende Medikamente wie Kortison gut wirksam.


Bei Herpes-Virus-Infektionen als Ursache der Fazialisparese werden antiviral wirksame Medikamente – allein oder in Kombination mit Kortison – eingesetzt. Hat der Arzt als Ursache der Fazialisparese eine Borreliose diagnostiziert, erfolgt eine antibiotische Behandlung. Tetrazykline und Cephalosporine sind in diesem Fall die Mittel der Wahl.

In manchen Fällen können nicht-medikamentöse Maßnahmen wie eine Physiotherapie bei der Fazialisparese hilfreich sein. Empfehlenswert sind mimische Übungen unter krankengymnastischer Anleitung. Die Wirksamkeit der Übungsbehandlung ist jedoch bisher nicht sicher belegt.


Prognose: Wie ist die Prognose bei einer Fazialisparese?

Die Prognose hängt von der Ursache der Fazialisparese ab. Bei der idiopathischen Form der Gesichtslähmung ist sie meist gut. In 85 Prozent der Fälle bilden sich binnen drei Wochen nach Auftreten der ersten Symptome die Lähmungserscheinungen zurück. Bei etwa 13 Prozent kommt es zu keiner vollständigen Heilung. Die zurückbleibenden Lähmungen führen in diesen Fällen selten zu stärkeren Beeinträchtigungen. Auch bei einer Borreliose als Ursache der Fazialisparese ist die Prognose nahezu immer gut.

Wurde die Fazialisparese durch Herpes-Viren verursacht, ist damit zu rechnen, dass die Lähmungserscheinungen nicht vollständig verschwinden. Tritt die Gesichtslähmung infolge eines Schlaganfalls (Apoplex) oder Hirntumors auf, ist eine generelle Aussage über den Krankheitsverlauf nicht möglich. In diesem Fall hängt die Prognose davon ab, wo und wie stark das Gehirn geschädigt wurde.


Vorbeugung: Wie kann man einer Fazialisparese vorbeugen?


Da die Ursache der idiopathischen Fazialisparese unbekannt ist, können auch keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden. Einzig und allein gegen eine Infektion mit Borrelien sind Schutzmaßnahmen möglich. Da die Erreger ausschließlich durch Zecken übertragen werden, ist es sinnvoll, sich in gefährdeten Gebieten entsprechend zu schützen. Hilfreich ist geschlossene Kleidung bei Aufenthalten in Wald und Wiesen. Auch Zecken abwehrende Sprays bieten einen guten Schutz.

Herpes-Viren werden häufig bereits in der Kindheit von den Eltern übertragen. Da diese Viren die Eigenschaft besitzen, zeitlebens im Körper zu verbleiben und eine Infektion immer wieder aufflammen kann, ist es auch hier nicht möglich, vorbeugend zu handeln.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, bei einer Fazialisparese möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Das Risiko bleibender Schäden wird dadurch verringert.



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Herpes (Herpes labialis und Herpes genitalis)
Borreliose (Lyme-Borreliose)
Physiotherapie (Krankengymnastik)

 

 

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Weitere Informationen zur Fazialisparese


Autor: Pascale Huber (Tierärztin), Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de 
Datum: Mai 2009
Letzte Aktualisierung: Januar 2015
Aktualisiert durch: Dipl.-Biol. Ulrike Pickert
Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Idiopathische Fazialisparese (Bell´s Palsy). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/013 (Stand: 09/2011)
Masuhr, K.F. et al.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2007
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2014

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Letzte Aktualisierung: 01.03.2017   |    empfehlen seite versenden 
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