Multiple Sklerose (MS)

Ursachen: Was sind die Ursachen von Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Entzündung des Gehirns und Rückenmarks (Zentrales Nervensystem), die meist schubweise verläuft. Sie tritt bevorzugt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt, man vermutet jedoch, dass das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) die Isolierschicht (Myelinscheide) der Nervenfasern angreift und zerstört (Autoimmunreaktion). Dadurch liegen die Nervenfasern „frei“ und können Informationen nur noch unzureichend weiterleiten. Die Multiple Sklerose gehört somit zu den demyelinisierenden Erkrankungen. Als Folge entwickeln sich mit der Zeit Lähmungen und unwillkürliche Muskelkrämpfe (Spasmen). Wodurch diese Autoimmunreaktion ausgelöst wird, ist bislang unklar, in Verdacht stehen bestimmte Viruserkrankungen. Auch erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse scheinen bei der Entstehung von Multipler Sklerose eine Rolle zu spielen.


Beschwerden: Wie äußert sich Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose verläuft meist schubweise, das heißt die Symptome treten akut auf und verringern sich nach einer gewissen Zeit, bevor sie wieder von Neuem erscheinen. Die Krankheit kann aber auch kontinuierlich fortschreiten (progredienter Verlauf). Frühe Anzeichen für Multiple Sklerose sind einseitige Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Sensibilitätsstörungen, Gangstörungen und Schwäche in den Beinen. In der Regel dauern die Schübe mehrere Wochen an. Die Symptome können sich dabei verändern. Bei den meisten Betroffenen bilden sich die Beschwerden sechs bis acht Wochen nach dem Schub zurück. Wenn neu aufgetretene Symptome länger als sechs Monate andauern, ist es wahrscheinlich, dass sie auch dauerhaft bestehen bleiben.


Diagnose: Wie wird Multiple Sklerose diagnostiziert?

Um eine Multiple Sklerose festzustellen, fragt der Arzt nach der Art und Dauer der Symptome (Anamnese). Dabei erkundigt er sich auch, ob diese oder ähnliche Beschwerden schon früher einmal aufgetreten sind. Anschließend führt er eine gründliche neurologische Untersuchung durch. Bei Verdacht auf Multiple Sklerose ordnet der Arzt weitere Untersuchungen wie eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) an. Diese Methode stellt Schäden der Nervenfasern bildlich dar.

Ein weiteres Verfahren zur Diagnose von Multipler Sklerose ist die Hirnwasser-Untersuchung (Liquorpunktion). Dabei entnimmt der Arzt Hirnwasser aus dem Bereich der Lendenwirbelsäule und untersucht es auf bestimmte Eiweiße, die auf eine Entzündung im Zentralen Nervensystem hinweisen.


Behandlung: Wie kann Multiple Sklerose behandelt werden?

Die Behandlung von Multipler Sklerose konzentriert sich auf die Linderung der Symptome. Eine ursächliche MS-Behandlung ist nicht möglich. Man unterscheidet die Langzeitbehandlung von der Behandlung während der Schübe. Parallel werden die symptomatischen Beschwerden der Multiplen Sklerose behandelt.

Behandlung des akuten MS-Schubs
Die Schubtherapie der Multiplen Sklerose richtet ihr Augenmerk vor allem auf die Verkürzung des Schubs. Glukokortikoide (Kortison) wirken entzündungshemmend und beschleunigen den Rückgang der Symptome. In manchen Fällen ist auch eine sogenannte Plasmapherese nötig, bei der das Blut von den aggressiven Bestandteilen des Immunsystems (Abwehrkräfte) gereinigt wird. Betroffene sollten sich während eines akuten Multiple-Sklerose-Schubs viel Ruhe gönnen und sich schonen. Danach ist oft Krankengymnastik und eine Bewegungstherapie (Gymnastik, Laufband) sinnvoll.

Langzeitbehandlung der Multiplen Sklerose
Das Augenmerk bei der Langzeitbehandlung von Multipler Sklerose liegt darin, weiteren Schüben vorzubeugen. Es gibt heute sehr effektive  Wirkstoffe wie Immunmodulatoren (z.B. Interferon-Beta, Glatirameracetat). Zweite Wahl ist in diesem Fall der Immununterdrücker Azathioprin, wobei sich derzeit zahlreiche weitere Multiple-Sklerose-Medikamente in der Forschung befinden.

Eskalationstherapie der Multiplen Sklerose
Treten trotz korrekt angewendeter Basistherapie weitere Schübe auf oder schreiten die körperlichen Beeinträchtigungen besonders schnell fort, ist meist eine sogenannte Eskalationstherapie nötig. Verfügbare Wirkstoffe sind in diesem Fall Fingolimod oder Natalizumab oder auch Mitoxantron, welches die körpereigene Immunreaktion unterdrückt. Hier ist eine engmaschige Überwachung der Betroffenen hinsichtlich Nebenwirkungen besonders wichtig.

Symptomatische MS-Behandlung
Die symptomatische Behandlung bei Multipler Sklerose hängt von der Art der Beschwerden ab. Grundsätzlich steht hier aber auch der Erhalt der Körpermuskulatur und der Bewegungsfähigkeit im Mittelpunkt.


Prognose: Wie ist die Prognose von Multipler Sklerose?

Die Prognose von Multipler Sklerose ist sehr unterschiedlich und hängt unter anderem von der Dauer der Schübe ab. Einige Menschen mit Multipler Sklerose bleiben nach dem ersten Schub jahrelang beschwerdefrei. In der Regel geht man von einem bis zwei Schüben pro Jahr aus. Mit der Zeit nimmt die Häufigkeit der Schübe ab. Je länger ein Schub andauert, desto unwahrscheinlicher ist ein vollständiger Rückgang der Beschwerden. Ohne Behandlung entwickelt sich etwa bei der Hälfte der Erkrankten eine sogenannte sekundär progrediente Form, bei der die Krankheit kontinuierlich fortschreitet und die Beweglichkeit zunehmend einschränkt. Oft treten gleichzeitig unkontrollierbare Muskelkrämpfe (Spasmen) auf. Trotz intensiver Forschung ist Multiple Sklerose nicht heilbar.


Vorbeugung: Wie kann man Multipler Sklerose vorbeugen?

Da die genauen Ursachen von Multipler Sklerose unklar sind, gibt es keine allgemeine Vorbeugung. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, sportlicher Betätigung und der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss sind generell ratsam. Wenn Symptome wie Sehstörungen, Gefühlsstörungen oder Bewegungsstörungen auftreten, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen.



 

 

Weitere Informationen
 

Buchtipps

 

 

 

 

Weitere Informationen zu Multipler Sklerose
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V.: www.dmsg.de


Autor
: Karin Wunder, Dr. med. M. Waitz
Medproduction, www.medproduction.de
Datum: Mai 2008
Letzte Aktualisierung: September 2013
Durch: Dr. Michael Koch
Quellen:
Klingelhöfer, J. et al.: Klinikleitfaden Neurologie, Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2009
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/050 (Stand: 08/2012)
Mumenthaler, M. et al.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2012   |    Seite drucken seite drucken    empfehlen seite versenden 
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