Etwa 80 Prozent der Nierensteine bestehen aus Kalziumsalzen. Auch Mischkristalle sind möglich. Nierensteine können sich zum Beispiel aus Kalziumoxalat, Kalziumphosphat, Harnsäure, Struvit, Zystin und Xanthin zusammensetzen. Sie können wenige Millimeter (Nierengrieß) bis einige Zentimeter groß sein und teilweise das Nierenbecken ausfüllen (Ausguss-Steine).
Beschwerden: Wie äußern sich Nierensteine?
Nierensteine können unbemerkt in der Niere vorkommen. Wird durch die Steine die Nierenfunktion gestört, treten Schmerzen auf. Diese äußern sich als kolikartiger Flankenschmerz oder als dumpfe Organschmerzen. Behindern die Nierensteine den Harnabfluss (renale Abflussstörung), so kann sich das Nierenbeckenkelchsystem erweitern. Diese Erweiterung kann sich zurückbilden oder chronisch bestehen bleiben (Hydronephrose).
Durch den zurückgestauten Harn sind Harnwegsinfektionen möglich. In seltenen Fällen kann eine schwere Harnabfluss-Störung durch Nierensteine zur Vereiterung der Niere (Pyonephrose) und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Auch kann sich eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) als Folge der Nierensteine entwickeln.
Diagnose: Wie werden Nierensteine diagnostiziert?
Ziel der Diagnose ist es, die Ursache der Nierensteine zu ermitteln. Außerdem sollen Art, Größe und Lage der Nierensteine bestimmt werden. Dies ist wichtig für die anschließende Therapie.
In der Anamnese wird sich der Urologe nach den Beschwerden, nach der Art, Lokalisation und Häufigkeit der Schmerzen sowie nach den Lebensgewohnheiten erkundigen. Bei der körperlichen Untersuchung tastet er unter anderem den Bauch und die Flankengegend ab. Mittels Ultraschall (Sonografie) lassen sich häufig bereits die Nierensteine erkennen. Andere mögliche bildgebende Verfahren zur Diagnostik von Nierensteinen sind die Computertomografie (Natives Spiral-CT), die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) und die Ausscheidungsurografie (AUG).
Weiterhin werden bei Verdacht auf Nierensteine Urin und Blut im Labor untersucht. Zur Blut-Untersuchung gehört die Bestimmung von Elektrolyten, Blutbild, Kreatinin, Harnstoff, Gerinnungswerten und Entzündungszeichen (wie CRP). Es wird außerdem der Urinstatus (Blutzellen, Nitrit, pH-Wert) beurteilt. Bei erhöhten Kalzium-Werten kann ein Kalzium-Belastungstest durchgeführt werden. Manchmal ist es notwendig, den Urin über 24 Stunden zu sammeln und zu untersuchen.
Behandlung: Wie können Nierensteine behandelt werden?
In einigen Fällen werden die Nierensteine spontan aus der Niere gespült. Dies ist vor allem bei kleinen Nierensteinen und Nierengrieß häufig der Fall. Abwarten und Beobachten ist daher eine Therapie-Möglichkeit. Schmerzen und Koliken werden mit Schmerzmitteln (Analgetika) behandelt. Wenn die Nierensteine weiter auswachsen und Schmerzen oder Komplikationen auftreten, sollten sie entfernt werden.
Es gibt folgende Möglichkeiten, Nierensteine zu entfernen: Bei der Extrakorporalen Stoßwellen- Lithotripsie (ESWL) werden die Nierensteine von außen mit Stoßwellen behandelt und dabei zertrümmert. Die Bruchstücke werden dann mit dem Harn ausgeschieden. Bei größeren Nierensteinen wird die Perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL) eingesetzt. Dabei entfernt der Arzt den Nierenstein mit einem Endoskop (Nephroskop). Manchmal ist es sinnvoll, die Nierensteine vorher ebenfalls mit Stoßwellen zu zerstören und dann die Steintrümmer abzusaugen.
Mittels Uretero-Pyeloskopie (URS) können Nierensteine mithilfe von Zangen, Schlingen oder Körbchen direkt entfernt werden. Teilweise werden sie zuvor zertrümmert. In seltenen Fällen werden Nierensteine operativ entfernt. Einige Medikamente können Nierensteine, wie Harnsäure- und Zystinsteine, auflösen (Litholyse).
Nach dem Eingriff werden die Nierensteine untersucht (Infrarotspektroskopie, Röntgendiffraktion). Die weitere Therapie richtet sich nach Art des Steins. Um weiteren Nierensteinen (Rezidivsteinen) vorzubeugen, können etwa Stoffwechselstörungen und Infektionen behandelt und Medikamente verordnet werden. Auch kann gegebenenfalls eine Diät sinnvoll sein, die arm an Purinen, Kochsalz, Oxalsäure und tierischen Fetten ist.
Prognose: Wie ist die Prognose von Nierensteinen?
In Deutschland entwickeln etwa fünf Prozent der Bevölkerung im Laufe des Lebens Nierensteine. Die Prognose ist gut: In etwa der Hälfte der Fälle treten Nierensteine einmalig auf. Kleine Nierensteine (weniger als drei Millimeter Größe) gehen in etwa 80 Prozent der Fälle spontan mit dem Urin ab. Leichte Symptome einer Stauniere können sich zurück entwickeln. Ist eine chronische Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) Folge der Nierensteine, kann oft die zweite Niere die Entgiftungsfunktion übernehmen.
Vorbeugung: Wie kann man Nierensteinen vorbeugen?
Zur Vorbeugung von Nierensteinen sollten mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich getrunken werden. Besonders empfehlenswert sind Wasser, verdünnte Säfte, Früchte- und Kräutertee. Außerdem ist ausreichend Bewegung ratsam. Die Ernährung sollte ausgewogen sein und nicht zu viele tierische Fette, Purine und Eiweiß enthalten. Bei Neigung zu Nierensteinen empfiehlt es sich, wenig oxalhaltige Lebensmittel zu sich zu nehmen. Dazu zählen Rote Bete, schwarzer und grüner Tee, Erdnüsse, Petersilie, Spinat und Schokolade. Dasselbe gilt für Kaffee und Alkohol.
Weitere Informationen
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Weitere Informationen zu Nierensteinen
Autor: Dipl.-Biol. Birgit Hertwig, Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Mai 2009
Letzte Aktualisierung: März 2011
Aktualisiert durch: M. Sc. Nadja Graßmeier, Ernährungswissenschaftlerin
Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU): Diagnose, Therapie und Metaphylaxe der Urolithiasis. AWMF-Leitlinien-Register 043/025 (Stand: 02/2009)
Eichenauer, R et al.: Klinikleitfaden Urologie. Urban & Fischer, München 2003
Fetzner, U.: Chirurgie, Orthopädie, Urologie- GK2. Springer, Heidelberg 2008
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2010
Risler, T.: Facharzt Nephrologie. Urban & Fischer, München 2008
Siegenthaler, W.: Klinische Pathophysiologie. Thieme, Stuttgart 2006
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