Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom)

 

Ursachen und Beschwerden

Was sind die Ursachen des Polyzystischen Ovarsyndroms?
Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCO-Syndrom, PCOS), früher auch Stein-Leventhal-Syndrom genannt, ist die häufigste hormonelle Erkrankung junger Frauen. Sie kann der Grund für Unfruchtbarkeit und einen unerfüllten Kinderwunsch der Frau sein. Beschrieben wurde das PCO-Syndrom erstmals 1990 als Erkrankung, die mit fehlendem Eisprung (Anovulation) und fehlender Regelblutung (Amenorrhö) sowie einem erhöhten Androgenspiegel im Blut (Hyperandrogenismus) einhergeht. Androgene sind männliche Geschlechtshormone, die auch bei Frauen in geringer Menge in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde (NNR) gebildet werden. Sind sie jedoch erhöht, kommt es zur „Vermännlichung“ (Virilisierung).

Der Name Polyzystisches Ovarsyndrom bedeutet übersetzt soviel wie „viele Zysten im Eierstock“ (poly = viel, zystisch = Zysten, Ovar = Eierstock). Dennoch finden sich tatsächlich nur bei etwa 75 Prozent aller Frauen mit PCO-Syndrom vermehrt ovarielle Zysten. Die genaue Ursache des PCOS ist bislang nicht bekannt. Man vermutet genetische Gründe, da das Syndrom familiär gehäuft auftritt. Auch Umwelteinflüsse können eine Rolle spielen. Auf jeden Fall handelt es sich beim PCO-Syndrom um eine Hormonstörung, bei der typischerweise das Verhältnis der Hormone LH und FSH verändert ist.

Wie äußert sich das PCO-Syndrom?

Polyzystische Ovarien, also Zysten im Eierstock, finden sich bei etwa 75 Prozent aller Frauen mit PCOS. Zysten sind flüssigkeitsgefüllte gutartige Hohlräume, die dem Syndrom seinen Namen gegeben haben. Wenn Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), der Nebennieren und der Eierstöcke ausgeschlossen und zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind, handelt es sich laut Definition um ein Polyzystisches Ovarsyndrom:

1.    Polyzystische Ovarien (Eierstockzysten)
2.    Fehlender oder seltener Eisprung (Oligo- oder Anovulation)
3.    Erhöhter Androgenspiegel („männliche Geschlechtshormone“) im Blut (Hyperandrogenismus)

Klinisch treten je nach Ausprägung folgende Beschwerden bei Frauen mit PCO-Syndrom auf:

 



Diagnose und Behandlung

Wie wird ein Polyzystisches Ovarsyndrom diagnostiziert?
Zunächst wird der Gynäkologe bei Verdacht auf ein PCOS in einem ausführlichen Gespräch die Symptome (wie Menstruationsstörungen, unerfüllter Kinderwunsch, Übergewicht etc.) erfragen. Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung richtet er besonderes Augenmerk auf die Haut (mögliche Akne, vermehrte Behaarung?).

Mittels Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) lassen sich Eierstockzysten erkennen. Eine Blut-Untersuchung ist notwendig, um eventuelle Hormonveränderungen festzustellen. Es werden u.a. die Geschlechtshormone LH, FSH, Östradiol, Testosteron, Androstendion, DHEAS (Dehydro-Epiandrosteron-Sulfat) und Progesteron sowie ggf. die Schilddrüsen-Hormone bestimmt. Beim Polyzystischen Ovarsyndrom sind typischerweise die Testosteron-, Androstendion-, DHEAS-Werte sowie der LH/FSH-Quotient erhöht.

Weitere Untersuchungen können notwendig sein, um andere Erkrankungen als das PCO als Ursache für die Beschwerden auszuschließen (z.B. eine Schilddrüsen-Unterfunktion, eine Schilddrüsen-Überfunktion oder ein Tumor der Nebenniere, des Eierstocks oder der Hypophyse).

Wie kann das PCO-Syndrom behandelt werden?
Bei der medikamentösen Behandlung des PCO-Syndroms muss berücksichtigt werden, ob Kinderwunsch besteht oder nicht. Ist dies nicht der Fall, wird die Anti-Baby-Pille (enthält die Hormone Östrogen und Gestagen) verordnet. Hierdurch normalisiert sich in vielen Fällen der Hormonspiegel und die PCOS-Symptome bessern sich. Zusätzlich können in einzelnen Fällen Glukokortikoide (wie Kortison) helfen.

Bei Frauen, die an einem PCO-Syndrom und unerfülltem Kinderwunsch leiden, werden die Wirkstoffe Metformin oder Clomifen eingesetzt. Diese Medikamente erhöhen die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Als letzte Möglichkeit kommt eine künstliche Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation, IVF) in Betracht.

 

 

Prognose und Vorbeugung

Wie ist die Prognose des Polyzystischen Ovarsyndroms?
Die Prognose des Polyzystischen Ovarsyndroms richtet sich nach dem Ausmaß der Beschwerden und dem Ansprechen der Therapie. Die Symptome wie Übergewicht (Adipositas), hohe Androgen- und Insulinspiegel im Blut gehen mit einem erhöhten Risiko für schwere Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) und KHK einher. Ein PCO-Syndrom sollte daher frühzeitig behandelt werden.

Wie kann man einem PCO-Syndrom vorbeugen?
Gezielt vorbeugen lässt sich dem Polyzystischen Ovarsyndrom nicht, da die Ursachen nicht genau bekannt sind. Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist es wichtig, das PCO-Syndrom frühzeitig zu behandeln. Bei Übergewicht (Adipositas) empfiehlt sich auf jeden Fall eine Gewichtsreduktion (durch Bewegung und Ernährungsumstellung); dies verbessert nachweislich die PCOS-Symptome und vermindert das Risiko für Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Polyzystischen Ovarsyndrom

Autor: Dr. med. Martina Waitz
dr.waitz | medproduction, Redaktionsbüro Medizin und Gesundheit Köln. www.medproduction.de
Datum: September 2008

Letzte Aktualisierung: November 2009
Durch: Dipl.-Biol. Birgit Hertwig
Quellen:
Coad, J.; Dunstall, M.: Anatomie und Physiologie für die Geburtshilfe. Urban & Fischer Verlag, München 2007
Diedrich, K.; Holzgreve, W.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer Verlag, Heidelberg 2007
Schöfl, C.; Schill, T.: Polyzystisches Ovarialsyndrom und Insulinresistenz. Dtsch Arztebl 2004; 101(6): A-346 www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=40393 (Stand: 11/2009)
Universitätsklinikum Essen: Polyzystisches Ovarsyndrom. www.endokrinologie.de (Stand: 11/2009)
Universitätsklinikum Würzburg: Das PCO-Syndrom. www.frauenklinik.uni-wuerzburg.de (Stand: 11/2009)