Psychotherapie

Definition: Was ist eine Psychotherapie?

Psychotherapie bedeutet die „Behandlung der Seele“ und ist eine Sammelbezeichnung für alle Behandlungsformen psychischer und psychosomatischer Störungen. Psychische Störungen (auch „seelische Krankheiten“ oder psychische Erkrankungen) sind beispielsweise Angsterkrankungen, Depressionen, Essstörungen, Neurosen und Psychosen.

Die drei gängigsten psychotherapeutischen Verfahren sind:

  • Verhaltenstherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Analytische Psychotherapie

Es gibt drei Berufsgruppen, die in Deutschland eine Zusatzausbildung als Psychotherapeut absolvieren können:

  • Psychologen (Psychologischer Psychotherapeut)
  • Mediziner (Ärztlicher Psychotherapeut)
  • Pädagogen, die sich auf die Therapie von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben (Kinder- und Jugendpsychotherapeut)


Der Einsatz von Medikamenten (Psychopharmaka) im Rahmen der Psychotherapie ist Ärzten vorbehalten. Der Begriff Psychotherapeut ist eine geschützte Berufsbezeichnung. Informationen darüber, wer eine qualifizierte Berufsausbildung vorweisen kann, geben Krankenkassen und der Vermittlungsdienst PID (Psychotherapie-Informations-Dienst).


Durchführung: Wie wird eine Psychotherapie durchgeführt?

Eine Psychotherapie wird häufig als Einzeltherapie durchgeführt, das heißt nur Therapeut und Patient sind beteiligt. Möglich sind auch eine Gruppentherapie sowie spezielle Formen von Psychotherapien wie die Musiktherapie, das Psychodrama und die Hypnotherapie. Je nach Psychotherapie-Form sitzen sich Therapeut und Patient gegenüber oder der Patient liegt auf einer Liege oder einem Sofa (zum Beispiel bei der Psychoanalyse). Meist findet die Behandlung ambulant in der psychologischen Praxis des Therapeuten oder stationär in einer Klinik statt. Vor allem die Verhaltenstherapie kann sich auch auf äußere Räume und in den Alltag des Patienten erstrecken.

Einteilung der Psychotherapie:

Körperorientierte Psychotherapie
, zum Beispiel die Körpertherapie.

Systemische Psychotherapie, wie die Familientherapie, bei der auch die äußeren Sozialsysteme und deren Interaktionsmuster im Mittelpunkt der Analyse stehen. Erkrankungen des Einzelnen werden als Symptome einer Störung des Systems betrachtet.


Humanistisch-existenzialistische Psychotherapie, wie die Gestalttherapie. Das Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Ziel ist es, sich ganzheitlich als Individuum wahrzunehmen. Weitere Verfahren der humanistisch-existenzialistischen Psychotherapie sind zum Beispiel die Gesprächspsychotherapie und die Logotherapie.

Empirisch-psychologische Psychotherapie, wie die Verhaltenstherapie, die sich auf Verhaltensforschung und Lerntheorien stützt. Die spezifische Verhaltenstherapie wird insbesondere angewandt bei Angststörungen, Essstörungen, Sucht und Schizophrenie. Die allgemeine Verhaltenstherapie findet in Paar-Therapie, Ehe-Therapie und Familien-Therapie, sowie in der Verhaltensmedizin Anwendung. Die Verhaltenstherapie ist stark handlungsorientiert. Sie geht oft über die räumliche Grenze eines Therapieraums hinaus. Im Mittelpunkt dieser Psychotherapie stehen Transparenz und das Verständnis von Hilfe zur Selbsthilfe. Es werden gemeinsam mit dem Therapeuten neue Erlebens- und Verhaltensmuster erarbeitet. Ziel der Verhaltenstherapie ist es, negative durch positive Verhaltensmuster zu ersetzen. Eine weitere Methode der empirisch-psychologischen Psychotherapie ist die kognitive Therapie.

Psychodynamische Psychotherapie, wie die Psychoanalyse. Sie wurde von Sigmund Freud begründet. Grundlage ist die Theorie des pathologischen (krankhaften) und normalen Verhaltens. Der Psychotherapeut arbeitet hierbei mit einem Strukturmodell dreier Bewusstseinszustände (Ich, Es, Über-Ich) und den Bewusstseinsschichten bewusst, unbewusst und vorbewusst. Die Analyse umfasst psychische Vorgänge durch Traumdeutung oder freie Assoziation. Als langfristiges Verfahren wird die Psychoanalyse insbesondere bei Neurosen angewendet. Ziel dieser Form der Psychotherapie ist es, dem Betroffenen verdrängte Erinnerungen und Gefühlen bewusst zu machen, die einem gesunden Lebenszustand entgegenstehen. Dem grundlegenden Prinzip zufolge, befinden sich die Ursachen der Störungen im Unbewussten und können durch das erneute Durchleben verarbeitet werden. Für den Erfolg der analytischen Psychotherapie ist es wichtig, dass der Betroffene zur Selbstanalyse bereit ist. Weitere mögliche Methoden der psychodynamischen Psychotherapie sind die katathym-imaginative Psychotherapie (KIP), die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Tiefenpsychologie) und die Transaktionsanalyse.


Anwendungsgebiete: Was sind die Anwendungsgebiete eine Psychotherapie?

Eine Psychotherapie wird bei seelischen Krankheiten oder psychischen Störungen wie Ängsten, Depressionen, Essstörungen und Zwängen angewendet. Auch bei körperlichen Erkrankungen kann eine Psychotherapie zum Einsatz kommen – insbesondere wenn es einen Zusammenhang zwischen psychischen und physischen Faktoren gibt (psychosomatische Erkrankungen).

Eine Psychotherapie kommt außerdem als Ergänzung zu medikamentösen und operativen Maßnahmen zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologischen Störungen infrage. Grundsätzlich ist der Einsatz einer Psychotherapie bei einem hohen persönlichen Leidensdruck ratsam.


Risiken und Komplikationen: Welche Risiken birgt eine Psychotherapie?

Eine Psychotherapie sollte grundsätzlich nur durch einen ausgebildeten Psychotherapeuten erfolgen. Falsch durchgeführt, birgt sie Risiken wie beispielsweise die Verstärkung der psychischen Problematik. Auch kann der Erfolg der Behandlung nicht immer garantiert werden. Die eigene Bereitschaft beeinflusst den Erfolg jeder Psychotherapie: Je größer die eigene Motivation, desto besser die Erfolgsaussichten. Das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient ist sehr wichtig. Im Verlauf der Psychotherapie kann es allerdings auch zu einer zu engen Beziehung oder zu einem Abhängigkeitsverhältnis kommen. Erfahrene Psychotherapeuten wissen mit solchen Situationen professionell umzugehen. 


 

 

Weitere Informationen

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Weitere Informationen zur Psychotherapie

 

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. M. Waitz
medproduction, www.medproduction.de
Datum: Juli 2008
Letzte Aktualisierung: März 2011
Aktualisiert durch: M. Sc. Nadja Graßmeier, Ernährungswissenschaftlerin
Quellen:
Berufsverband Deutscher Psychologen und Psychologinnen: www.bdp-verband.org (Abruf: 03/2011)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2010
Psychotherapie-Informations-Dienst: www.psychotherapiesuche.de (Abruf: 03/2011)

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Letzte Aktualisierung: 22.01.2012   |    Seite drucken seite drucken    empfehlen seite versenden 
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