Verhütung – die Geschichte der Anti-Baby-Pille

Die „Anti-Baby-Pille“, auch kurz nur „Pille“ genannt, ist ein Medikament zur Empfängnisverhütung. Sie enthält die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen, die eine Schwangerschaft verhindern. Die Anti-Baby-Pille ist über 50 Jahre alt und bis heute haben schätzungsweise weltweit weit mehr als 200 Millionen Frauen mit der Pille verhütet. Den Anstoß zur Entwicklung der Anti-Baby-Pille gaben zwei Frauenrechtlerinnen bereits in den 1920er Jahren.

Anti-Baby-Pille: Mikropille und Minipille

Verhütet wird schon seit vielen tausend Jahren – mit verschiedensten Methoden. Doch die Entwicklung eines hormonellen Verhütungsmittels, das als „Pille“ geschluckt werden kann, hat die Gesellschaft in den 1950er Jahren entscheidend verändert: Erstmals konnten Frauen ungewollte Schwangerschaften durch die regelmäßige Einnahme der Anti-Baby-Pille verhindern.

Bei der Pille handelt es sich um ein Kombinationspräparat aus den weiblichen Hormonen Östrogen und Gestagen. Diese sind, wie es heutzutage üblich ist, niedrig dosiert – man spricht von einer Mikropille (von griechisch „mikros“ für „klein“). Einige Anti-Baby-Pillen enthalten nur das Hormon Gestagen und kein Östrogen. Dies sind die sogenannten Minipillen.

Die Hormone in der Anti-Baby-Pille verhindern den Eisprung der Frau, sowie dass Spermien in ihre Gebärmutter eindringen. Somit kann die Frau bei korrekter Einnahme der Pille nicht bzw. nur in sehr seltenen Fällen schwanger werden.

Den Anstoß gaben zwei Frauenrechtlerinnen

Bereits um das Jahr 1920 hatten die Krankenschwester Margaret Sanger und die vermögende Biologin Katharine McCormick, zwei Frauenrechtlerinnen, die Idee zur hormonellen Empfängnisverhütung. Doch erst im Jahr 1951 kam der entscheidende Anstoß: McCormick stellte den für damalige Verhältnisse unglaublichen Betrag von zwei Millionen Dollar zur Verfügung, damit der Arzt Gregory Pincus, gemeinsam mit seinem Kollegen John Rock, und dank der Vorarbeiten der Chemiker Carl Djerassi und Franc Colton, die erste Anti-Baby-Pille erfolgreich herstellen konnte. Es war den Wissenschaftlern gelungen, die weiblichen Hormone Progesteron und Östrogen künstlich zu produzieren.

Durchbruch der Pille in den 1950er Jahren

  • 1957 wurde die erste Anti-Baby-Pille, das Präparat Enovid, in den USA zugelassen – zuerst noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden.
  • 1960 kam Enovid offiziell auch als Verhütungsmittel auf den Markt.
  • 1961 war die Pille unter dem Markennamen Anovlar von Schering in Deutschland erhältlich – allerdings wurde es nur verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte offiziell gegen Menstruationsbeschwerden helfen.

Während die empfängnisverhütende Pille in der Bundesrepublik Deutschland umgangssprachlich als „Anti-Baby-Pille” bekannt wurde, hieß ihr Gegenstück in der DDR „Wunschkindpille“. Sie war dort ab 1965 als das Präparat Ovosiston erhältlich. Einer der Entdecker der Pille, Carl Djerassi, dem die Namen „der Vater der Pille“ und „die Mutter der Pille“ zuteilwurden, lehnte die Bezeichnung „Anti-Baby-Pille” jedoch ab, da sie kein Mittel gegen Babys sei, sondern ein Mittel für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frau.

Nebenwirkungen und Risiken der Pille

In Deutschland sind inzwischen mehr als 50 verschiedene Anti-Baby-Pillen erhältlich. Die Pille verhindert, verglichen mit anderen Verhütungsmitteln, sehr zuverlässig Schwangerschaften. Anders als Kondome, schützt sie aber nicht vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Außerdem ist zu bedenken, dass die Anti-Baby-Pille ein Medikament ist, das verschiedene Nebenwirkungen haben kann, zum Beispiel Gewichtszunahme und Depressionen. Außerdem erhöht die Anti-Baby-Pille das Risiko von Bluthochdruck, Thrombosen (Blutgerinnseln) und von Brustkrebs.

Weiterführende Informationen

Autor: medproduction
Datum
: März 2017
Quellen
:
Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): 55 Jahre „Pille“. www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/210997/55-jahre-pille- (Stand: 18.08.2015)
Berufsverband der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abruf: März 2017)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.schwanger-info.de (Abruf: März 2017)
121doc: Antibabypille. https://www.121doc.com/de/verhuetungsmittel/antibabypille (Abruf: März 2017)
Die Welt: www.welt.de/wissenschaft/article136982530/Der-Miterfinder-der-Pille-ist-tot.html (Stand: 31.01.2015)